Was kostet eine Gemeinde-App?
Preise, Anbieter und die Rechnung, die selten jemand aufmacht

Belegte Zahlen aus dem deutschen Markt, Stand August 2026, mit Quellenangabe

Wer für eine Gemeinde eine App sucht, findet Anbieter, Referenzlisten und Funktionslisten. Was fast nirgends steht, ist der Preis. Von den Anbietern, die ich für diese Übersicht geprüft habe, veröffentlicht nur eine Minderheit eine Preisliste. Der Rest rechnet nach Einwohnerzahl oder Funktionsumfang und nennt Zahlen erst im Gespräch.

Belegbare Preise stehen deshalb an einer anderen Stelle: in Gemeinderatsprotokollen. Die sind öffentlich, und dort taucht auf, was eine Gemeinde tatsächlich zahlt. Diese Seite sammelt die Zahlen, die ich belegen kann, nennt die Quelle dazu und zeigt, was die Preisunterschiede erklärt.

Was Gemeinden für eine App zahlen

Alle Angaben mit öffentlich einsehbarer Quelle. Wo eine Zelle leer bleibt, hat der Anbieter keinen Preis veröffentlicht.

Anbieter oder FallEinmaligLaufendQuelle
Heimat Info (Cosmema)500 EUR99 EUR netto pro Monat, 1.413,72 EUR brutto im Jahr, Mindestlaufzeit 3 JahreGemeinderat Ahorntal, Sitzung vom 11.05.2023
Gemeinde-App (Baukasten)keine19 EUR pro Monat für eine virtuelle App innerhalb der Sammel-App des Anbieters; eigene Store-App ab 199 EUR, erweitert 499 EUR pro MonatPreisseite des Anbieters
Smart Village App (Landkreis-Tarif)11.900 EUR brutto4.284 EUR brutto im JahrPreisseite des Anbieters
Bad Belzig App (Smart-City-Modellprojekt, rund 11.000 Einwohner)15.000 EUR reine AnschaffungGesamtkosten der Maßnahme 150.000 bis 175.000 EUR inkl. Einführung und BetriebSmart-City-Plattform des Bundes
Orts.App, meinOrt, iKISS, NOLIS, disgoverykein Preis veröffentlicht

Die laufenden Kosten reichen damit von rund 1.400 EUR bis rund 6.000 EUR brutto im Jahr, die einmaligen von 0 bis 11.900 EUR. Und der Bad-Belziger Fall zeigt die dritte Ebene: Bei einem geförderten Modellprojekt machten die reinen Anschaffungskosten weniger als ein Zehntel der Gesamtkosten aus. Das Teure an einer Gemeinde-App ist selten die App.

Die Kennzahl, die im Angebot fehlt

Anbieter nennen entweder Reichweite oder Preis, fast nie beides. Wo Zahlen genannt werden, sind es Downloads. Ein Download ist aber kein erreichter Bürger: Wer die App nach der Installation nicht mehr öffnet und Push nicht zugelassen hat, ist für die Gemeinde unsichtbar.

Wer vor einer Anschaffung steht, sollte deshalb zwei Zahlen verlangen, bevor über Funktionen gesprochen wird: Wie viele Einwohner hat eine Referenzgemeinde, und wie viele Menschen dort öffnen die App im Monat. Aus diesen beiden Werten und dem Jahrespreis ergibt sich, was der Kanal je tatsächlich erreichtem Bürger kostet. Diese Zahl macht Angebote vergleichbar, die auf dem Papier nichts miteinander zu tun haben.

Dass die Frage unbequem ist, zeigt der Befund dieser Recherche: Kein geprüfter Anbieter veröffentlicht Preis und aktive Nutzer gemeinsam.

Warum die Preise so weit auseinanderliegen

Hinter den Angeboten stecken drei verschiedene Bauarten, und die erklären den Unterschied besser als jede Funktionsliste.

  1. Eigenständige Bürger-App mit eigenem Redaktionssystem. Die App bringt ein eigenes Backend mit. Inhalte werden dort zusätzlich zur Website eingepflegt. Das ist der teuerste Weg, und er erzeugt dauerhaft Arbeit: Jede Meldung wird zweimal geschrieben.
  2. App als Zusatzmodul des Website-Anbieters. Wer sein kommunales CMS bei einem der großen Anbieter hat, bekommt die App dort als Modul dazu. Bequem, aber an das System gebunden. Ein Wechsel des CMS beendet auch die App.
  3. Die Website selbst als App. Die bestehende Seite wird zur Progressive Web App, damit installierbar und mit Push-Nachrichten ausgestattet. Es gibt kein zweites System, keine zweite Redaktion und keine getrennte Inhaltspflege. Was auf der Website steht, steht in der App.

Der dritte Weg ist deshalb der günstigste, weil das Teuerste an einer App nicht die Entwicklung ist, sondern der laufende Betrieb eines zweiten Systems.

Die Gemeinde-Website als App: was das kostet

Läuft die Website der Gemeinde auf Joomla oder WordPress, lässt sie sich ohne CMS-Wechsel als App ausliefern. Die Preise dafür sind fest:

LeistungPreisFälligkeit
miTT PWA Plugin (Joomla oder WordPress)ab 39,00 EUR (Joomla) / 49,00 EUR (WordPress)Abo, Voraussetzung
Veröffentlichung im Google Play Store500,00 EUR zzgl. MwSteinmalig
Veröffentlichung im Apple App Store (inkl. 2 Review-Runden)1.100,00 EUR zzgl. MwSteinmalig
Google Play Console Konto (an Google)25 USDeinmalig
Apple Developer Program (an Apple)99 EURjährlich

Die Entwicklerkonten laufen auf die Gemeinde, damit sie Eigentümerin ihrer App bleibt. Alle Details zum Ablauf stehen auf der Seite App erstellen lassen.

Wer zunächst ohne Store starten will: Als Progressive Web App ist die Seite bereits installierbar, allein über den Browser. Dann entfallen die Store-Pakete und die Entwicklerkonten, und es bleibt die Plugin-Gebühr.

Gemeinden, die zugleich einen neuen Serverplatz brauchen, finden beim PWA Hosting ein Paket mit fertig eingerichtetem PWA-Stack auf deutschen Servern.

Was ehrlicherweise dagegen spricht

Drei Punkte, die in Angeboten selten auftauchen und die eine Gemeinde vor der Entscheidung kennen sollte.

Auf dem iPhone gibt es keinen Installationsdialog. Eine reine Web-App muss über das Teilen-Menü zum Home-Bildschirm hinzugefügt werden. Wer das nicht tut, bekommt keine Push-Nachrichten. Eine App aus dem App Store löst dieses Problem, kostet aber die einmalige Veröffentlichung. Sie löst allerdings nicht die eigentliche Hürde: Auch eine Store-App muss gefunden, installiert und mit Push-Erlaubnis versehen werden, und die Lücke zwischen Download und regelmäßiger Nutzung bleibt bestehen.

Push-Abos können unter iOS verfallen. In Web-Apps gibt es unter iOS keinen Mechanismus, mit dem sich ein abgelaufenes Push-Abo selbst erneuert. Bei einer Gemeinde, die alle paar Wochen etwas sendet, kann der Kanal beim entscheidenden Anlass leer laufen. In der Store-App über den Apple Push Notification Service tritt das nicht auf.

Der stärkste Konkurrent ist kostenlos. Manche Gemeinden haben ihre App zugunsten eines Messenger-Kanals wieder abgeschafft, weil dort keine Installation nötig ist. Wer nur Meldungen verteilen will, sollte diesen Weg ehrlich mitprüfen. Der Unterschied liegt in der Datenhoheit und darin, wem die Empfängerliste gehört.

Was eine Gemeinde meistens wirklich braucht

In den Anfragen, die mich aus Kommunen erreichen, steht selten die App im Mittelpunkt. Es geht um Push: Die aktuellen Meldungen der Gemeinde sollen auf dem Handy ankommen, ohne dass jemand die Website aufruft. Abfalltermine, Wasserrohrbruch, Straßensperrung, Veranstaltungshinweis.

Das ist eine kleinere Aufgabe als eine Bürger-App mit Mängelmelder, Vereinsverzeichnis und Bürgerservice-Portal. Und sie ist deutlich günstiger zu lösen, wenn die Meldungen ohnehin schon auf der Website stehen. Bevor ein Angebot über mehrere tausend Euro im Jahr unterschrieben wird, lohnt die Frage, welche der angebotenen Funktionen in zwei Jahren noch benutzt werden.

Für Warnungen im Katastrophenfall ist ohnehin ein anderer Weg zuständig: Die amtliche Warnung läuft über die Warn-Apps des Bundes und über Cell Broadcast, nicht über eine Gemeinde-App.

Für Agenturen, die Kommunen betreuen

Wer als Agentur Gemeinde-Websites baut, verliert Ausschreibungen zunehmend an Anbieter, die Website und App im Paket verkaufen. Die App selbst zu entwickeln lohnt sich für einzelne Kommunalkunden nicht.

Genau dafür gibt es die Umsetzung unter Ihrem Namen: Ihre Kunden bekommen ihre bestehende Website als App mit Push, ohne zweites Redaktionssystem, ohne dass Sie App-Entwicklung aufbauen oder Store-Konten verwalten müssen. Sie bleiben Ansprechpartner der Gemeinde, ich liefere die technische Umsetzung zu.

Schicken Sie mir eine Ihrer Kommunal-Domains, dann bekommen Sie einen Testlink, auf dem die Seite installierbar ist, samt Test-Push.

Hinweis zu Barrierefreiheit

Kommunale Websites und mobile Anwendungen unterliegen den Barrierefreiheitsvorgaben der Länder. Für die App gilt: Wird die Website selbst ausgeliefert, gibt es genau einen Prüfgegenstand statt zwei. Geprüft wird nach den Kriterien für Webangebote.

Ob eine installierte Web-App aufsichtsrechtlich zusätzlich als eigenständige mobile Anwendung gilt, ist nicht abschließend geklärt, und es gibt Kommunen, die für ihre Web-App eine eigene Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen. Wer sicher gehen will, fragt das bei der zuständigen Überwachungsstelle des Landes schriftlich an. Eine App macht eine nicht barrierefreie Website im Übrigen nicht besser, sondern nur sichtbarer.

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die Fragen, die aus Gemeinden und von betreuenden Agenturen am häufigsten kommen.

Die belegten laufenden Kosten reichen von rund 1.400 EUR bis rund 6.000 EUR brutto im Jahr, dazu kommen je nach Anbieter einmalige Einrichtungskosten zwischen 0 und 11.900 EUR. Geförderte Smart-City-Modellprojekte liegen mit Einführung und Betrieb deutlich darüber. Wer die bestehende Gemeinde-Website als App ausliefert, kommt einmalig ab 500 EUR aus, weil kein zweites System betrieben wird.

Von den geprüften Anbietern veröffentlichen nur wenige eine Preisliste. Die übrigen kalkulieren nach Einwohnerzahl oder Funktionsumfang und geben Preise erst auf Anfrage heraus. Belegbare Zahlen stammen deshalb überwiegend aus Gemeinderatsprotokollen, die öffentlich einsehbar sind.

Für Beträge in dieser Größenordnung in der Regel nicht. In Bayern sind Direktaufträge bis 100.000 EUR netto formfrei möglich, in anderen Ländern gelten eigene Wertgrenzen. Der Beschluss fällt meist im Gemeinderat nach einer Vorstellung des Anbieters.

Eine eigenständige Bürger-App bringt ein eigenes Redaktionssystem mit. Inhalte werden dort zusätzlich zur Website gepflegt. Wird die Website selbst als App ausgeliefert, bleibt das CMS die einzige Quelle: Was auf der Website steht, steht in der App.

Ja, aber mit Einschränkungen. In einer App aus dem App Store läuft Push über den Apple Push Notification Service und funktioniert zuverlässig. Bei einer reinen Web-App muss die Seite manuell über Teilen zum Home-Bildschirm hinzugefügt werden, einen Installationsdialog gibt es unter iOS nicht. Push-Abos können dort außerdem verfallen, ohne sich selbst zu erneuern.

Belastbare Nutzungszahlen veröffentlicht kaum eine Kommune, und Anbieter nennen in der Regel Downloads statt aktiver Nutzer. Genau deshalb sollte vor der Anschaffung eine Referenzzahl verlangt werden: Einwohner einer Referenzgemeinde und die monatlich aktiven Nutzer dort. Beim Vorzeigeprojekt Bad Belzig beziffert die Smart-City-Plattform des Bundes die Gesamtkosten der Maßnahme auf 150.000 bis 175.000 EUR, wovon nur 15.000 EUR reine Anschaffung waren. Der Löwenanteil ist Einführung und Betrieb.

Auf der Website selbst. Das miTT PWA Plugin macht aus der bestehenden Joomla- oder WordPress-Seite eine installierbare App. Für Android wird sie als Trusted Web Activity verpackt, für iOS als nativer Wrapper mit eigener Push-Anbindung. Ein CMS-Wechsel ist nicht nötig.

Quellen und Stand

Alle Preisangaben stammen aus öffentlich einsehbaren Quellen und geben den Stand August 2026 wieder. Preise für Gemeinde-Apps ändern sich, und mehrere Anbieter veröffentlichen ihre Konditionen gar nicht. Wer eine Zahl aus dieser Übersicht in einer Beschlussvorlage verwendet, sollte sie beim Anbieter gegenprüfen lassen. Korrekturen und ergänzende Zahlen nehme ich gerne auf.

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